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Ein weiteres einmaliges Phänomen der
Musikkultur sind Wandermusikanten. Diese Leute waren reisende Musiker,
die ihren Heimatorten verließen, um durch die Welt zu reisen und eine
Geld zu verdienen. Hauptgrund war ein Mangel an Arbeitsmöglichkeiten.
Diese Tradition geht zurück bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, aber
ein genaues Datum ist nicht festlegbar. Frankreich und Nordamerika waren
als erstes die Haupt Reiseziele, später jedoch wurden die USA und
Australien von den Gaukler am häufigsten bereist. Dennoch blieben wenige
der Wanderer für immer im Ausland, oft kehrten sie nach einigen Jahren
zurück und verbrachten den Winter bei ihren Familien. Im Frühling zogen
sie meistens wieder los. Manchmal machten sie sich in Gruppen oder so
genannten „Partien“, die aus 6- 14 Männer bestanden, auf und fuhren
herum, umauf Volksfesten oder in Kneipen, vor allem Matrosenkneipen, zu
unterhalten.
Jedoch gab es auch individuelle Wandermusikant, Roland
Pongratz hat ein Buch namens „Alois Ranftl – Der Wilde Geiger aus Regen“
geschrieben. Dieses Buch stellt das Lebens eines der letzen
Wandermusikanten aus dem Bayerischen Wald dar. Alois Ranftl wurde am 27.
September 1902, als zweites Kind von Alois Ranftl sen. und Maria Ranftl
geboren. Nach dem Ende seiner Schulzeit begann Alois mit nur vierzehn
Jahren eine Bäckerlehre in Deggendorf und arbeitete nach dem Bestehen
seiner Gesellenprüfung im Jahre 1919 in verschiedenen Betrieben. Im
Jahre 1926, als er sich seine erste Geige kaufte, begann er das, was ihm
sein Leben lang am liebsten am Herzen liegen würde. Ohne die geringste
Hilfe von Lehrer und Noten lernte er sein erstes Instrument zu spielen.
Er spielte nach Gehör was unter den Leuten beliebt war, was bekannt war
und was aus dem Radio kam. Er beherrschte langsam die Geige und
erweiterte sein Repertoire. Dieses Repertoire enthält, sowohl bekannte
deutsche Volkslieder wie: "Sah ein Knab ein Röslein steh´n", "Hoch auf
dem gelben Wagen" usw. als auch Tanzweisen (Walzer, Polka , Zwiefache )
und Schlager wie: "Schwarzer Zigeuner", kleine Werke großer Meister u.a.
Serenade von Toselli, Ave Maria von Gounod. Im Jahr 1931 entschied sich
Alois mit einem anderen Musiker zusammen zu spielen und ging auf
Wanderschaft mit Xaver Fink (als Sekundgeiger). Als Gaukler besorgten
sie sich „spielend“ ihre alltägliche Lebensnotwendigkeiten. Trotz seiner
häufigen Wanderungen ehelichte er Alfonsa Ringelstetter aus Deggendorf
und in dieser Ehe hatte vier Kinder. Zwischen den Jahren 1941-1945 nahm
er am Krieg teil und lernte Europa kennen sowie die Abscheu des Kriegs.
Nach dem Krieg war er wieder in Bayern unterwegs, wovon Wanderbücher und
Wandergewerbescheine zeugen. Alois Ranftl starb am 21.01.1993 im Alter
von 90 Jahren. Beim Spielen von Haus zu Haus, während seines Lebens,
half er diese Tradition am Leben zu erhalten.
Heutzutage ist der Musikgeschmack in
Passau größtenteils durch ausländischen Musik stark beeinflusst und die
Jugend hört immer mehr ausländische Popmusik, Tanzmusik und Rockmusik.
Bei solchen deutschen Musiksender wie "Viva" und MTV Deutschland hat man
immer mehr englische Hits und in den Bayern 3 Webcharts sind nur ca. 30
% der Top 10-Hits in deutscher Sprache. An der Spitze der Charts ist zu
Zeit ein englischsprachiges Lied von Janet Jackson mit dem Titel "Just a
little while". In den Passauer Kneipen z.B. "Saus und Braus", wird die
Jugend am liebsten mit englischsprachigen oder italienische Lieder in
die Lokale gelockt. Würde nur Volksmusik gespielt werden , wäre diese
Kneipe sicherlich weniger bzw. gar nicht gewinnbringend. Die Tatsache
kann nicht verleugnet werden, dass Englisch einen zunehmenden Teil der
deutschen Musikindustrie beherrscht und die deutsche Volksmusik so bei
der Jugend an Bedeutung verliert. Dennoch ist es der bayerischen
Staatsregierung bewusst, dass die Volksmusik gepflegt werden muss und so
wurden verschiedene Vereine gegründet, um die Herkunftsmusik Bayerns
(und dazu auch Passaus) zu schützen. Im Vordergrund dieses Versuch ist
der Bayerische Rundfunk, der seit 1928 zahlreiche Volksmusiksendungen
zur Verfügung stellt. Durch solche Sendungen als auch einer Reihe von
Veranstaltungen ist es klar, dass einen Versuch unternommen wird, um
dieses edlen Erbe zu retten.
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