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Im Laufe des 19 Jahrhunderts lebten
ca. 75-80% der Bevölkerung auf dem Land und die Menschen waren abhängig
von der Landwirtschaft. Jedoch brachten viele nach in die Stadtbesuchen
die Mode auf das Land gebracht, schließlich waren die industriell
hergestellten Stoffe und Tücher nicht so teuer. Lange Hosen, die aus
unterschiedlichen Stoffe bestanden wurden häufiger. Für den Bauer waren
Lederhosen, während der Feldarbeit, nicht unbedingt nötig. Heutzutage
tragen nur einzelne Berufsgruppen Lederhosen, nicht nur zu besonderen
Anlässen, sondern auch im Alltag. Während ihrer Arbeitzeit tragen Jäger,
Holzknechte und Förster Leder, da sie es für das dauerhafteste Material
halten, das mehr für ihre anspruchsvollen Arbeitsbedingungen geeignet
ist als jedes andere Material. Kurz danach wurde die „schichtunterscheidende“
Funktion der Tracht geschwächt. Eine Volkskundlerin namens Gislind Ritz
hat dies schriftlich festgehalten:
„Die alten strengen
Kleiderordnungen, wie wir sie in den Mandaten Kurfürst Maximilian 1. von
1626..finden, sind längst nicht mehr verbindlich. Dieser Zwang, den die
bis ins einzelne gehenden sozialen und realen Auflagen der
Kleiderordnungen jedermann auferlegen, sind im Laufe des späteren 18.
Jahrhunderts weggefallen“ (S. 95 „Lederhosen, Gürtel, Ranzen –
Leder in der bairisch- alpen- ländischen Tracht“ von Hans W. Stoermer)
Wegen dieser neuen aufgetauchten
Freiheit konnten die Leute ganz neue Kleidung schöpfen und dadurch wurde
die Erweiterung alter Tracht ohne Gnade bedroht. Obwohl sich die Zahl
von Lederhosen verringerte, verschwanden sie aber nicht spurlos. Die von
Jagd begeisterten bayerischen und österreichischen Adligen kleideten
sich in einer Art „Uniform“: kurze Lederhosen mit einem grau-grünen
Rock. Unglücklicherweise waren Lederhosen nicht mehr so häufig wie
vorher und liefen Gefahr zu verschwinden.
Wie es der Zufall wollte, entschied
sich ein Lehrer in Bayrischzell etwas zu unternehmen. Dieser Lehrer
namens Joseph Vogl fand es bemitleidenswert, dass dieser kulturellen
Schatz untergehen sollte und so beschloss er zusammen mit einigen
Gleichgesinnten einige echte Prachtexemplare von Lederhosen herstellen
zu lassen. Hiermit entstand der erste Trachtenverein in Bayern. Danach
wurden noch eine Menge weiterer Trachtenvereine gegründet und diese
Trachtenbewegung breitete sich wie ein Lauffeuer nach Österreich und in
ganz Bayern aus.
Befürworter dieser Entwicklung waren
Kaiser Franz Joseph (1848-1916), Prinzregent Luitpold (1886-1912) und
Ludwig III., die sich oft bei Ausflügen ins Land und zur Jagd mit der
traditionellen bestickten Lederhosen bekleideten wurden.
Ohne die Bemühungen von Vogl hätte
die Tradition von Lederhosen ganz untergehen können. Glücklicherweise
aber ist das Gegenteil passiert und Lederhosen entwickelten sich
erstaunlicherweise vorwärts. Im Gegensatz zu vorher haben die Lederhosen
eine anspruchslose Eigenschaft erworben, denn in ehemaligen Zeiträume
machte man einen Unterschied zwischen einem erfolgreichen Bauer und
einen unglücklichen. Heutzutage, im Bezug auf die moderne
Trachtenbewegung, gibt es keine offensichtliche sozialen Differenzierung
mehr zu bemerken. Die allgemeine Tracht ist neutral geworden.
In der Gegenwart sind Lederhosen
nicht nur im ursprünglichen Verbreitungsgebiet zu finden sondern, sind
sie auch Teil der Tracht in anderen angrenzenden Gebieten: in einigen
Gegenden der Tschechoslowakei (hauptsächlich in der Gegend um Pilsen),
in Mähren, in der Slowakei, in bestimmten Gebieten im ehemaligen
Jugoslawien, Slowenien und in Ungarn.
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